Geschichte - Ein Streifzug zwischen Bauernstolz und Mechatronik

Evangelische Superintendenz Oberösterreich

Vier Viertel hat das Land: Das hügelige Mühlviertel im Norden aus Stille und dünnem Boden über dem Granit.Das Innviertel, das fruchtbare Land am "Grünen Inn" im Westen.
Im Hausruckviertel wächst viel grünes Gold mit reichlich Land dazwischen.Im Süden und Osten das Traunviertel, ein Land aus Bergen, Seen, Salz und seinen Städten.

Rund 1,4 Millionen Menschen bewohnen diese bunte Vierfalt, die sich im ganzen über 12.000 km² ausbreitet. 57.000 evangelische Christen leben heute vor allem im Hausruck- und im Traunviertel in 34 Pfarrgemeinden und 8 Tochtergemeinden.

Rund hundert Jahre war die Bevölkerung zu 80% evangelisch, bis 1624 Ferdinand II die harte Alternative stellte: "Glaube oder Heimat". Viele verließen das Land, andere kehrten zur alten Kirche zurück, ein Teil ging in den Untergrund. Letztere haben in Bauernhöfen im Geheimen die Bibel und die Kirchenpostillen gelesen und leise ihre Lieder gesungen. 1734 kam es abermals unter Kaiser Karl VI und dann unter Kaiserin Maria Theresia zu zwangsweisen Transmigrationen vorwiegend aus dem Salzkammergut nach Siebenbürgen Als 1781 das Toleranzpatent von Joseph II wieder das Evangelischsein erlaubte, bekannten sich immerhin noch 11.000 zur Lehre Luthers und organisierten sich in 9 Toleranzgemeinden, besonders in versteckten, ländlichen Gebieten.

In diese Gemeinden kamen vorwiegend pietistisch geprägte Seelsorger aus Württemberg. Superintendent Friedrich Koch schreibt 1897 über die geistliche Lage in Oberösterreich: "Die Evangelischen in Oberösterreich waren als Pietisten verschrien und gefürchtet. Hier hat der Rationalismus nie rechten Eingang finden können."

Obwohl der Bauernstand - wie allgemein in Österreich - in der Bevölkerung stark zurückgegangen ist, ist er, besonders in den Toleranz- und Landgemeinden, noch immer das tragende Element der evangelischen Pfarrgemeinden. Daneben hat sich in Oberösterreich mit den Zentren Linz, Steyr, Lenzing etc. eine starke Industrie mit vielen Arbeitsplätzen entwickelt, sodass die wirtschaftliche Lage in Oberösterreich recht günstig ist. Lehre, Forschung und elektronische Weiterentwicklung repräsentiert die noch relativ junge "Johannes Kepler Universität" in Linz.

Neue Heimat für Flüchtlinge

Ein wesentlicher Bestandteil der Evangelischen Diözese Oberösterreich sind die einstigen "Flüchtlinge", evangelische Volksdeutsche, Siebenbürger Sachsen, Donauschwaben, Banater, Zipser, Bukovinadeutsche, Schlesier, Ukrainedeutsche u.a., die mit Kriegsende ihrer Heimat beraubt in der amerikanischen Besatzungszone Oberösterreich zunächst in Lagern und auf Bauernhöfen untergebracht wurden. Einige haben im Raum um Linz, Wels, Traun, im Bezirk Vöcklabruck, im Mattigtal, im Rieder und Braunauer Bezirk ihre neue Heimat gefunden, haben in Siedlungen ihre Häuser und auch Kirchen errichtet. Viele von diesen 60.000 "staatenlos" Gewordenen sind weitergezogen, da ihnen die Sesshaftwerdung nicht leicht gemacht wurde.

Einerseits waren sie für den Wiederaufbau willkommene Arbeitskräfte, andererseits fürchtete der Staat die finanzielle Belastung durch Alte und Kranke, Witwen und Waisen. Die gleichen Ängste waren der Grund für die traurige Tatsache, dass in den Jahren der Wende in Rumänien den ehemaligen Landlern, trotz kirchlicher Bittgänge zu staatlichen Stellen, die Rückkehr in ihre ehemalige Heimat von der Österreichischen Regierung verweigert wurde. In Oberösterreich setzte sich Landeshauptmann Ratzenböck dafür ein, dass rund 30 Altösterreicher hier Fuß fassen konnten und die Staatsbürgerschaft erhielten.

Diakonische Aktivitäten

Zwölf Kilometer nördlich von Linz befindet sich die größte evangelische diakonische Einrichtung Österreichs, das Diakoniewerk Gallneukirchen. Im Rahmen dieses Werkes mit seinen Außenstellen sind rund 2.000 Mitarbeiter in der Betreuung von Behinderten, Alten, Kranken und auch Erholungssuchenden in den verschiedenen Pflege-, Kranken- und Gästehäusern beschäftigt. Auch etliche Evangelische Pfarrgemeinden, wie z. B. Bad Goisern und Gosau betreiben eigene Altenheime und Kindergärten. Die Stadtdiakonie in Linz kümmert sich im "Of(f)en Stüberl" um Nichtsesshafte mit Wärmestube, Frühstück und Beratung, der Diakonische Verein in Linz um Alte und Kranke und deren Betreuung in ihren Wohnungen. Viele Gemeinden betreuen mit Geld-, Kleider- und Sachspenden Partnergemeinden im östlichen Ausland und kümmern sich um in Not geratene Menschen vor Ort und Neuzuwanderer. Manche Aktionen können auch aus dem Diakoniefonds der Superintendentur unterstützt werden. Auch die Missionsgemeinschaft der Fackelträger mit ihrem Zentrum in Schloss Klaus ist in der Behindertenarbeit in Kirchdorf und Windischgarsten aktiv.

Ökumene in Oberösterreich

Ökumene wird in Oberösterreich seit vielen Jahren in vielfacher Weise gelebt und sehr aktiv erlebt. Seit 1981 gibt es ohne Unterbrechung den Ökumenischen Theologentag, an dem man sich gemeinsam den aktuellen Fragen stellt und Gemeinschaft erlebt. Er wird alternierend von der Evangelischen und der Röm. kath. Kirche geplant und durchgeführt, mit Vorträgen, Diskussionen und Tischgemeinschaft.,

Kanzeltausch, gemeinsame Aktionen in der Gebetswoche für die Einheit der Christen gehören seit langem zu fixen Bestandteilen im Kirchenjahr. Ebenso haben die gemeinsame Telefonseelsorge, der ökumenische Arbeitskreis, die Zusammenarbeit in den Bildungswerken beider Kirchen und die ökumenischen Ehevorbereitungskurse schon eine lange Tradition. Neu hinzu kam 2000 das "Ökumenische Forum".

Seit 1991 gibt es in Zusammenarbeit mit dem Kath. Bibelwerk der Diözese die sehr gut besuchte Veranstaltungsreihe "Stolpersteine in der Bibel", in denen Referenten aus den verschiedenen Kirchen Stellung beziehen und zur Diskussion einladen. Regelmäßig an vier Montagen im Oktober kommen dazu bis zu 350 Besucher!

Seit 1995 werden regelmäßig vom Reiseservice der kath. Kirchenzeitung in Zusammenarbeit mit dem Evang. Bildungswerk und der Superintendentur Ökumenische Sommerreisen mit Begegnungen mit Gemeinden in den besuchten Ländern durchgeführt.

Seit 1998 gibt es an drei Tagen im Juli in Zusammenarbeit mit dem ORF in Kremsmünster die dreitägige Ökumenische Sommerakademie mit über 100 Teilnehmern.

Die Erwachsenenbildung

wird als besondere Aufgabe und Herausforderung unserer Zeit gesehen. Unser Glaube muss sagbar sein, artikulierbar und verantwortbar. "Wissenschaft, Leben und Glauben sollen nicht in unverbundene Bereiche auseinanderfallen. Die Hoffnung und die Orientierung, die aus dem Glauben kommt, soll als Lebenshilfe im Rahmen der Evangelischen Erwachsenenbildung vermittelt und spürbar werden" heißt es im Leitbild des Evangelischen Bildungswerkes Oberösterreich, das seit 1999 den Vereinsstatus hat und dem im Jahr 2000 das Qualitätssiegel des Forums der Erwachsenen- und Weiterbildung des Landes Oberösterreich zuerkannt wurde. Das EBW OÖ unterstützt und fördert als Dachorganisation die örtlichen Bildungswerke, die in rund 80% der Pfarrgemeinden eingerichtet sind. Dies geschieht durch regelmäßige Tagungen und Fortbildung der BildungswerkleiterInnen. Eine Aufstellung von möglichen Referenten und Vortragsthemen erleichtert den örtlichen BildungswerkleiterInnen die Erstellung der Jahresprogramme.

Die alljährliche "Literat(o)ur"-Veranstaltung fördert den persönlichen Kontakt unter den MitarbeiterInnen im Land. Regelmäßige Kultur-, Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen finden auch im Evangelischen Studentenheim "Dietrich Bonhoeffer" in Linz statt. Dieses Haus wurde 1995 eröffnet. Es bietet nicht nur 175 StudentInnen gutes Wohnen in einem der modernsten und bestausgestattetsten Studentenheimen von Oberösterreich, es dient zugleich mit seinen Festsälen als "Diözesanhaus". Dort finden auch seit 1996 die halbjährigen theologischen Kurse mit schriftlichen Unterlagen und 4 Seminartagen für Lektoren, ehrenamtliche Mitarbeiter und an theologischer Weiterbildung Interessierte statt. Diese Kurse werden sehr gut angenommen. Bis zu 100 Personen haben jeweils regelmäßig daran teilgenommen. Im Jahr 1997 wurde das Evangelische Studentenheim Linz "Dietrich Bonhoeffer" in Anerkennung seiner besonderen Leistungen auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung mit dem Förderungspreis des Landes Oberösterreich ausgezeichnet.

Der Bildung und anschaulichen Information über die Geschichte und Gegenwart unserer Kirche dient auch das im Herbst 2000 eröffnete Diösesanmuseum in Rutzenmoos, nahe der Autobahnabfahrt Regau, auf halben Weg zwischen Linz und Salzburg., Es wurde nach den Erkenntnissen moderner Museumspädagogik gestaltet. Durch die multimedialen Einrichtungen ist es ein Erlebnismuseum, das gerne und zahlreich besucht wird.

Verstärktes Augenmerk gilt auch der Kirchenmusik. Rund ein Viertel der Kirchen erhielt in den letzten Jahren neue, konzerttaugliche Orgeln, in vielen Gemeinden gibt es Kirchenchöre, an deren Spitze die Kantorei Linz mit viel beachteten Aufführungen in Kirchen und Konzertsälen des In- und Auslandes steht. In vier Gemeinden bestehen Posaunenchöre. Das jahrzehntelange und verdienstvolle Wirken des derzeitigen Diözesankantors soll demnächst in neue Hände übergehen, und wir hoffen, die entsprechende finanziellen Voraussetzung für eine hauptamtliche Kantorenstelle zu finden.

Die Entfernung und Spannung zwischen Bauernstolz und Mechatronik ist nicht klein, zeigt aber auch die Größe und Weite der Aufgaben, die einer kleinen Kirche im Heute gestellt sind. Mit Gottes Hilfe und Freude an seiner guten Botschaft hoffen wir Gott und dem Nächsten mit den vielen Bereichen der kirchlichen Arbeit in unserer Diözese so gut wie möglich zu dienen.

Mag. Hansjörg Eichmeyer Superintendent, Jänner 2005


18-01-2018 20:20

 

 

Link: www.evangelisch-sein.at

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