Projekte und Modelle

Wie mich der Vater gesandt hat,
so sende ich euch.
Joh.20,21

Leitlinien zum Thema Missionarische Kirche

 

Mit der Annahme dieser Leitlinien verständigt sich die Evangelische Diözese Oberösterreich über Grunddimensionen missionarischer Kirche.

 

  1. Wenn wir von missionarischer Kirche sprechen, reden wir von der einen Kirche, die von Christus in der Kraft des Heiligen Geistes zu den Menschen gesandt wird, so wie Christus von Gott zu den Menschen gesandt worden ist. Trotz aller Missbräuche ist der Begriff Mission wichtig, weil er präzise eben diese Sendung benennt. Im Wort Mission selbst ist bereits das Verständnis (und der Maßstab) dessen, worum es geht angelegt: Die Sendung beinhaltet einen Auftrag und einen Auftraggeber, nämlich Jesus Christus und die Botschaft des Evangeliums. Die Sendung beinhaltet Bewegung, nämlich die immer neue Überschreitung unserer Grenzen auf die anderen Menschen hin. Und weil die Sendung analog der Sendung Jesu erfolgt, geht es in ihr um das Heil der Menschen.
  2. Jede Mission wurzelt in der Selbstüberschreitung Gottes. Diese wird zuerst sichtbar in der Schöpfung. Der für sich seiende Gott bleibt nicht für sich. Er überschreitet sich auf die Schöpfung und schließlich auf den Menschen hin, den er als sein Ebenbild ins Dasein ruft. Diesem Menschen bleibt er, trotz Schuld, Versagen und Ablehnung auf Seiten des Menschen, in heilsamer Treue zugewandt. Diese Treue gipfelt in der Sendung des Sohnes. Vor allem das Johannesevangelium beschreibt das Kommen des Sohnes als Sendung und sieht die Jünger und damit die Kirche an dieser Sendung partizipieren und so ihre Kontinuität gewährleisten: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Joh.20,21) Kirche ist so von Anfang an missionarische, gesandte, apostolische Kirche. Dies ist ihr Auftrag und ihre Berufung. Dafür ist ihr der Beistand des Heiligen Geistes verheißen. Er ist es, der die Herzen berührt und, wie an Pfingsten das Verständnis des Evangeliums in den vielen Sprachen der Welt bewirkt. Wir erachten von daher Mission als ein Tun von Kirche und Gemeinden, das Umkehr und Umdenken in Kirche und Gemeinden einschließt: „Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und wohlgefällige und Vollkommene.“ ( Röm.12,2)
  3. Die Motivation der Selbstüberschreitung Gottes (Missio Dei) ist die Liebe. Die Motivation aller Mission kann deshalb ebenfalls nur die Liebe sein. Ziel der Mission ist deshalb nicht so sehr zu überzeugen, als vielmehr durch Liebe zum Lieben zu befreien. Dabei reden wir von jener göttlichen Liebe, die in Jesus Christus Mensch geworden ist, von jener Liebe, von der Paulus, als er die Korinther auffordert nach den größeren Gnadengaben zu streben ( 1.Kor.12, 31 ), sagt: „und ich will euch einen weitaus besseren Weg zeigen.“ Von jener Liebe, die Jesus selbst das größte und höchste Gebot nennt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt und deinen Nächsten, wie dich selbst.“ ( Lk.10,27 )
  4. Mission wurzelt in der Liebe. Sie wurzelt in der Freude über die großen Taten Gottes. Das Lob Gottes, die Freude an ihm, ist ihr Medium. Aus dieser Freude heraus handelt sie. Eine Kirche, die nicht von dieser Freude erfüllt ist, kann nicht missionarisch sein. Sie versucht dann etwas zu geben, das sie nicht hat und löst so bei den Menschen Beklemmung und Bedrängnis aus weil sie Freude durch Druck ersetzt.
  5. Lebt und handelt die Kirche aus diesem Wurzelgrund, dann wahrt sie in allem die Freiheit der Menschen zu denen sie gesandt ist. Sie wird sie weder unter Druck setzen, noch manipulieren, noch für ihre eigenen Interessen missbrauchen. Und sie wird sich selbst nicht überfordern, weil sie aus der Freiheit lebt und nicht aus dem Gesetz, weil sie nicht nur gibt sondern immer auch empfängt.
  6. Missionarische Kirche zu sein, vollzieht sich wesentlich im Alltag der Menschen und der Kirche und damit auf der Ebene der Beziehungen. Sie orientiert sich an dem Wort: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.“ (1.Petr.3,15) Um diese Verantwortung wahrnehmen zu können, sind Wissen und Bildung nötig.
  7. Medium der Mission sind grundsätzlich Wort und Tat (Diakonie). Wort und Tat sind nicht gegeneinander auszuspielen (als wäre das eine wichtiger als das andere), sie gehören zusammen und bedürfen einander. Es ist gerade die Liebe, welche beide Dimensionen in sich vereint. Die Glaubwürdigkeit der Kirche entsteht aus dem harmonischen Zusammenspiel von Tat und Wort.
  8. Missionarische Kirche zu sein kann Widerstand wecken, weil sie dem scheinbar toleranten Grundsatz „jeder soll nach seiner Facon selig werden“, nicht zustimmt. Sie wird sich selbst immer wieder kritisch prüfen müssen, dass in ihrer Verkündigung und ihrem Tun, der von Christus erhobene Anspruch der Wahrheit, in Freiheit bewährt, und nicht als Mittel der Ausübung von Macht missbraucht wird.
  9. Missionarische Kirche zu sein kann auch bedeuten, in der grundsätzlichen Bejahung des Menschen und im Respekt gegenüber seinen Wegen, - zu widersprechen. Zu widersprechen, wo falsche Götter und Heilswege verkündet werden, zu widersprechen, wo sich der Mensch in Selbstsicherheit verschanzt und in einer Diesseitigkeit, die nicht mit Gott rechnet, verschließt.
  10. Der Wahrheitsanspruch ist den Anfragen der Menschen auszusetzen und im Gespräch zu verantworten. Gerade darin muss sich das unauflösliche Miteinander von Liebe und Wahrheit bewähren.
  11. Die missionarische Kirche ist nur ökumenisch zu denken und wird in konfessioneller Vielfalt realisiert. Theologisch notwendig, praktisch sinnvoll und gut ist es, ihr Handeln mit der Ökumene abzusprechen und abzustimmen; diese Sendung gemeinsam neu zu entdecken.
  12. Kirche darf in ihrem Bemühen, die Bewegung Gottes zu den Menschen mit zu vollziehen, nicht bei ihren eigenen Mitgliedern stehen bleiben. Sie schuldet das Evangelium gerade jenen Menschen, welche von sich aus nicht zu ihr kommen.

 

Superintendentialversammlung OÖ
Ried, am 21. November 2009

 

 

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Stellungnahme des Superintendentialausschusses

über das Naßwalder Modell

zur Vorlage an die Superintendentialversammlung Oberösterreich

__________________________________

1. Wir anerkennen die dem Naßwalder Modell zugrunde liegende Intention, unsere Kirche zu ihren wesentlichen Aufgaben handlungsfähig zu machen.

2. Wir sind dankbar für die erkennbare Konzentration auf das Wesen der Kirche, welches darin liegt, dass sie sich von Gott, in seiner Bewegung auf die Menschen hin, in Dienst nehmen läßt.

3. Wir erkennen freilich nicht, dass das Naßwalder Modell mit seiner tiefgreifenden Strukturreform diese Intention und Konzentration gegenüber dem jetzt Möglichen fördern kann.

4. Wir betrachten mit Sorge, dass die tiefgreifende Strukturänderung wesentliche und bewährte Eckpfeiler unserer Kirchenverfassung aufhebt, beschneidet und schwächt:

* Die Schwächung des Subisidiaritätsprinzipes geht Hand in Hand mit einer Stärkung zentralistischer Tendenzen. Das betrifft im Besonderen die Ebene der Ortsgemeinde und der Superintendenz.

* Das Zusammenwirken von weltlichen und geistlichen, ebenso wie von ehrenamtlichen und hauptamtlichen MitarbeiterInnen wird in wichtigen Bereichen aufgehoben.

* Gemeindevertretungen, Superintendtialversammlungen und die Synode werden als wesentliche Elemente der demokratischen Verfasstheit unserer Kirche massiv entwertet.

5. Wir vermissen am Naßwalder Modell eine konkrete Problemanalyse der gegenwärtigen Situation, die helfen könnte, vorhandene Schwachpunkte mit geringfügigeren Änderungen zu verbessern.

Wir halten deshalb abschließend fest:

Das Naßwalder Modell kann weder deutlich machen,

- dass zur Verbesserung kirchlicher Arbeit eine derartige Strukturveränderung notwendig ist,

- noch dass es den Verwaltungsaufwand verringert (es verschiebt ihn nur und verursacht dadurch neue Probleme),

- noch dass mit dem Modell Kosten gespart und Strukturen verschlankt werden.

Aufgrund des Eingriffes in fundamentale, bewährte und identitätsstiftende Prinzipien unserer Kirchenverfassung, sowie der fehlenden Kosten/Nutzen Analyse lehnen wir das Naßwalder Modell ab.


19-09-2019 13:06

 

 

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